Leute, ich fuehle mich leicht by Alexa Hennig von Lange

Leute, ich fuehle mich leicht by Alexa Hennig von Lange

Author:Alexa Hennig von Lange [Lange, Alexa Hennig von]
Language: deu
Format: epub
ISBN: 9783641023171
Publisher: cbt Verlag
Published: 2009-03-31T22:00:00+00:00


10

Ich schmeiße mich trotzdem in den enger werdenden Spalt. Ich will es schaffen! Über der Tür geht dieses bekloppte Warnsignal an und ich klemme fest. Brillant! Das wäre doch gelacht, wenn ich hier nicht wieder rauskomme! Muss ja. Die Bahn kann schließlich nicht einfach losfahren, wenn ich noch in der Tür feststecke. Mein halber Körper hängt schon draußen, die Tür drückt mir ganz schön die Luft ab. Das kann man sagen. Mit dem inneren und dem äußeren Arm stemme ich mich von beiden Seiten gegen die Falttür und endlich geht sie wieder auf. Ich springe raus, in die Mittagssonne und da steht auch schon Johannes, fünf Meter weiter am Taxistand, das Fahrrad zwischen seine Beine geklemmt, und winkt mir zu.

»He, was machst du denn da?«

Tja, was soll ich dazu sagen? Ich muss ihm ja nicht gleich auf die Nase binden, dass ich ihn habe vorbeifahren sehen und derart scharf drauf war, ihm Hallo zu sagen, dass ich bereit war, mich von der Falttür kräftig zerquetschen zu lassen. Ich zucke also mit den Schultern und erkläre: »Ich dachte, bei dem schönen Wetter gehe ich mal ein bisschen spazieren.«

»Und warum steigst du dann so spät aus, dass du in der Tür eingeklemmt wirst?«

»Aus sportlichem Ehrgeiz.«

»Aha.«

Johannes nickt mit hochgezogenen Mundwinkeln, so als müsse er sich das Grinsen verkneifen. Eindeutig: Er findet mich cool. Unter uns: Ich habe nichts anderes erwartet. Kleiner Scherz am Abgrund. Hinter mir fährt die Bahn wieder an und düst mit dem trostlosen Helmuth ins Nirgendwo. Den will ich echt nie wieder sehen. Meine arme Schwester. Ich hoffe, die hat dem nie einen geblasen, wie man das in Fachkreisen so nennt. Der hat sein Leben ja wohl überhaupt nicht im Griff. Im Gegensatz zu mir. Ich stehe direkt vor Johannes und blinzle zu ihm nach oben. Genial, wie das Schicksal uns Menschen wunschgemäß zusammenführt. Johannes ist wirklich ziemlich groß, und hinter seinem güldenen Haupt strahlt die liebe Sonne, als hätte er einen überirdischen Heiligenschein oder so. Sehr kunstvoll. Das muss ich sagen. Außerdem hat er weiße, geputzte Zähne. So etwas muss man wertschätzen. Er grinst mich an, und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir uns gut verstehen könnten. Johannes hat - genau wie gestern Abend - wieder mehrere T-Shirts übereinander an und das oberste ist ziemlich durchlöchert und mit Farbe bespritzt. Ich tue so, als ob ich das nicht sehe. Hauptsache, mir klebt nicht irgendetwas Ekliges im Gesicht. Getrockneter Erdbeershake oder Oleanderblüten. Ich weiß gar nicht, wann ich mein Antlitz zum letzten Mal im Spiegel überprüft habe. In jedem Fall ist es schon einige Stunden her, in denen viel passiert ist. Noch schlimmer wäre allerdings, wenn der aufdringliche Aftershavegeruch von Helmuth auf mich übergegangen wäre und ich wie so ein piefiger Autohausbesitzer müffelte.

Johannes beugt sich etwas zu mir runter und bemerkt: »Mannomann! Das war ja gestern eine ganz schön krasse Aktion! Wie du da einfach nach hinten in die Büsche gekippt bist. Ich dachte, du bist tot oder so. Geht es dir wieder besser?«

Ich nicke. »Und dir?«

»Klar... Was meinst du?«

»Na, nachdem du die Zigarette gegessen hast.



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